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Aga Khan Omega |
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"...no matter how much you love something, it is impossible to hold it so tightly that death cannot slip it from your grasp. But you can hold on so tightly that life cannot get through." |
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Khanis Magendrehung. Mittwoch, 17. Januar 2001 21:15 21:20 21:30 21:35 21:40 21:45 Wir stehen draussen am Strassenrand und er versucht erfolglos, sich zu übergeben. Wieder nur das bisschen Sabber. Er schürft sich den Nasenschwamm auf im Strassengraben weil er verzweifelt versucht, irgend etwas herauszuwürgen was nicht herauskann. 21:50 Der Hund beginnt bereits, leicht aufzugasen. Nun sind die Anzeichen unzweideutig. Von unterwegs verständige ich meinen Mann. Der springt sofort ins Auto. 22:00 Torsten kommt dazu, wir sehen uns gemeinsam das Röntgenbild an. Unmissverständlich: der Magen ist voll und einmal um seine eigene Achse gedreht. Die Gasentwicklung hält sich noch in Grenzen. Die Tochter kann nicht allein operieren, das wäre zu riskant: OP und Anästhesie in einer Hand machen wenig Sinn. Wir können nicht helfen, was wir sonst immer tun. Aber da geht es auch nicht um Leben und Tod sondern vielleicht mal um einen Schnitt im Ballen... Der Hund bekommt eine Spritze gegen den Schock und eine Infusion gegen den möglichen Kreislaufzusammenbruch. Es muss Flüssigkeit in den Körper, weil durch die Drehung grosse Blutgefässe abgeschnürt sind. Die Entscheidung wird uns abgenommen, wir werden in die Tierklinik geschickt. Die Tierärztin drückt uns einen kopierten Zettel mit der Anfahrtsbeschreibung in die Hand und hilft uns, den Hund im Auto unterzubringen und den Tropf zu befestigen. Sie will die Klinik telefonisch informieren während wir unterwegs sind. 23:00 Ich habe ernstlich Mühe, mich im Zaum zu halten. Sie werden in einen Raum gebeten und man kümmert sich um sie. Ich flippe fast aus und irgendwann lässt mich der Gedanke nicht mehr los, dass dort gerade Menschen getröstet werden, die mir zwar unendlich leid tun, deren Tier aber nun mal nicht mehr zu helfen ist. Was ist hier los? Gerade rechtzeitig vor einem Ausbruch kommt ein Arzt und bittet uns - zum Röntgen! Selbstverständlich hat keiner von uns daran gedacht, die kurz vorher angefertigten Röntgenbilder mitzunehmen...aber die Tierklinik röntgt wohl eh lieber noch mal selbst. Von wegen Verantwortung und so, Sie verstehen. Ich verstehe gar nichts mehr. Torsten hat seit einer Stunde ein versteinertes Gesicht und will nicht reden. 23:45 Man sagt uns ausserdem, dass wir getrost nach Hause fahren können, bei der OP dürfen wir nicht dabeisein und warten müssen wir auch nicht. In einem Halbsatz die Frage nach der Handynummer, denn es könne sein, dass bereits so viel Gewebe abgestorben ist, dass man nicht mehr weiteroperieren könne. Und wir sollen heimfahren? Nein, wir entscheiden uns zu bleiben. Torsten tigert durchs Wartezimmer, ich setze mich in eine Ecke. Jetzt plötzlich löst sich die Anspannung in einem Heulkrampf auf. 0:30 Donnerstag, 18.1.2001 Montag, 22.1.2001 Kotflecken im Fell ist auch nicht das, was bei uns daheim üblich wäre. Auch das lässt Rückschlüsse auf die Unterbringung zu, und vor allem auf die Pflege dort und die regelmässige Überwachung des Rekonvaleszenten...aber wir sind ja froh, dass er überlebt hat. Das relativiert manches. Die Klinik bestand übrigens auf sofortiger Begleichung der Rechnung bei Abholung, ansonsten gibt man dort keine Tiere heraus. Ich stelle Überlegungen an, was sie wohl in einem solchen Falle tun... Nachmittag Er zittert und friert. Er muss über Nacht dortbleiben und bekommt einen kleinen OP als Nachtlager zugewiesen. Ich fahre heim und hole sein Kissen. Ein pinkfarbener Fleecepulli von Herrchen muss auch noch dran glauben, frieren soll er nicht. Der Husten gibt mir sehr zu denken...ich hoffe, dass es nicht das Herz ist, in diesem Alter und nach einer solchen OP. Dienstag, 23.1.2001 Nachmittags Angekommen, gehen wir in Khanis Einzelzimmer. Er versucht aufzustehen und wedelt schwächlich mit der Rute. Wir setzen uns zu ihm, damit er sich nicht so aufregt. Seine ehemals schwarze Gumminase ist bräunlich und rissig, aber sie funktioniert noch: sofort dockt er an meiner Tasche an und sucht nach Leckerchen. Seine Lebensgeister scheinen wiedererweckt... Die Tierärztin lacht und sagt uns, wir sollen ihn mit heimnehmen, egal wie es ausgeht, bis morgen früh. Da sei er jedenfalls besser aufgehoben als in der Praxis. Also kommt er mit und sinkt mit einem tiefen Seufzer in sein Körbchen. Tyras steht verwirrt daneben und versteht die Welt immer noch nicht. Erst ist er weg, dann ist man tagelang allein, kaum ist er wieder da, ist er schon wieder weg und dann gehts ihm nicht gut und spielen will er auch nicht. Die nächsten Tage Ich wechsle die Schonkost, Reispampe mit püriertem Putenfleisch behagt ihm wohl nicht so. Der beste Ehemann von allen hatte im Supermarkt vor dem Tiefkühlgeflügel gestanden und sich gedacht, dass sein Prinz etwas besseres verdient hat. So fanden dann mehrere Kilo frische Putenbrust den Weg in unseren Kühlschrank. Nun gibt es also Nudeln mit Putenstückchen. Der kleine Feinschmecker bekommt glänzende Augen, Nudeln konnte er noch nie widerstehen. Ich habe mir ein paar Tage Urlaub genommen, zum Glück hat man im Büro Verständnis für mich. Sie wissen ja alle, dass wir beide einen kleinen Tick haben mit unseren Hunden...obwohl man dort nicht so ganz nachvollziehen kann, wie man in einen so alten Hund noch so viel Geld investieren kann...ich mag diese Amortisationsdenke nicht diskutieren. Er erholt sich zusehends und zeigt schon wieder erste Anzeichen von Altersstarrsinn. Wir sind glücklich.
Im Juni In Gesprächen mit der Tierärztin haben wir herausgefunden, dass dies in unserem speziellen Fall der Auslöser für die Magendrehung gewesen sein könnte. Schlechte Durchblutung, Verdauungsstörung, mit vollem Magen die Treppe herunter. Das versetzt den Magen in eine Schlingerbewegung und durch die Abwärtsneigung passiert es dann. Die Anzeichen waren in unserem Fall sehr typisch, die Erstversorgung schnell und professionell, sein Allgemeinzustand durch viel Bewegung sehr gut. Wir haben sehr viel Glück gehabt.
Nachtrag: Also samstags morgens nochmal zum Tierarzt, der Ärztin entfährt ein entsetztes "wie sieht der denn aus", das uns das Blut stocken läßt. Wir versuchen nochmal, per Spritze mit Medikamenten zu entwässern und wissen doch eigentlich genau, daß es nicht mehr helfen wird, oder wenn, dann nur für ganz kurze Zeit. Wir machen nachmittags eine Fahrt zum Hundeplatz. Eigentlich wissen alle Bescheid, sobald sie ihn zu Gesicht bekommen, so ausgemergelt mit dem aufgeschwemmten Leib. Nur mir will es noch nicht so richtig in den Kopf, daß dies eine Abschiedstour war. Abends ist uns sonnenklar, daß wir nicht länger warten dürfen. Freund Götz kommt vorbei, und zusammen beratschlagen wir. Nicht das wie oder das wann, sondern, was wir danach machen. Torsten ist für Beerdigung, aber er läßt sich umstimmen. Wem bringt das was, den Hund zu verscharren, auch wenn sich das pietätlos anhört? Ich weiß genau, daß ich das Bild unseres Prinzen, wie wir ihn - womöglich in seine Lieblingsdecke gehüllt - in ein Erdloch legen, nie mehr loswerde. Und dann wird der Gedanke so unerträglich, daß wir uns mittels einer Kiste Bier (für die Herren), einer Flasche Sekt (für die Dame) und einer Flasche Wodka (für alle) abschießen. Fell versaufen, sagt man in Jägerkreisen dazu. Nur, daß wir es schon vorher tun. Sonntags morgens dann der Anruf beim Tierarzt, daß wir gleich vorbeikommen. Natürlich können wir das, so halb haben sie es schon erwartet. Den Tyras nehmen wir mit, obwohl Torsten das für unnötig hält. Wir gehen mit Khani in die Praxis (hier ist er immer gern hingegangen, deshalb haben wir die Tierärztin auch nicht zu uns nach Hause kommen lassen. Auch so eine Sache mit dem "nachher", dem unsäglichen Abtransport, den wir mit Rocky schon mal erlebt haben und nicht nochmal erleben wollen). Khani bekommt eine Narkosespritze, danach soll das Tötungsmittel injiziiert werden. Er ist allerdings schon während der Narkose "weg", so schwach war er. Plötzlich ist es vorbei. Es ist so furchtbar, aber trotz allem funktioniert man noch. Tyras ist noch da, sitzt im Auto und macht das, was er am besten kann, der kleine Spinner: ein dummes Gesicht. Ich frage die Tierärztin, was sie davon hält, wenn ich ihn dazuhole, damit er gebührend Abschied nehmen kann von seinem großen "Bruder". Sie ist auf jeden Fall dafür, sagt, daß sie das bei Stuten, deren Fohlen eingeschläfert werden müssen, auch immer so machen. Sonst sucht die Stute wochenlang und wird unter Umständen ziemlich wild, weil sie nicht weiß, was ihrem "Kleinen" zugestoßen ist. Kann also nicht verkehrt sein. Ich hole Tyras, der kommt in den Behandlungsraum, schnüffelt einmal am Khani und weiß innerhalb von Millisekunden Bescheid. Sein Held ist tot, er kommt nicht wieder, aber Tyras muß ihn nicht suchen, weil wir ohne ihn zurück nach Hause kommen, sondern kennt die ganze Wahrheit. Er hat ihn tatsächlich nie gesucht, ob er ihn nicht trotzdem vermißt hat, weiß ich nicht. Ich vermisse ihn heute noch. Düsseldorf, im Januar 2003
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